Chronik
Am Fasnetmendig, den 28. Februar 1938, tauchte zum erstenmal beim Umzug in Freiburg mit der Nr. 41 ein einzelner Narr namens „Friburger Bobbele“ auf.
Das Häs bestand aus schindelförmigen Filzfleckchen in Hell- und Dunkelblau und einer Kapuze mit einem ausgestopften Zipfel, an dessen rückseitigem Ende eine silberne Rolle (Schlittenrolle) hing. Um den Leib trug diese neue Narrenfigur einen breiten Ledergurt mit kleineren Rollen. Eine etwas klobig wirkende naturbelassene Holzmaske verbarg freundlich lächelnd das Gesicht des Trägers. Um den Hals trug er an einer rot-weißen Kordel ein Holzwappen mit Quadraten ebenfalls in den Farben der Stadt bemalt. Blaue Schuhe mit Holzboden, blaue Handschuhe und ein Holzklepper vervollständigten das Häs. Der Erfinder dieser neuen Fasnetfigur, Adolf Kaufmann, verzichtete bewußt auf alte Traditionen und wollte mit dem von ihm geschaffenen Häs zeigen, daß auch mit neuen Ideen etwas Gutes und Schönes gestaltet werden kann.
Der Name „Friburger Bobbele“ erregte in Kreisen der Breisgauer Narrenzunft (BNZ) Anstoß, da der Ausdruck „Friburger Bobbele“ zur damaligen Zeit nicht in unbedingt freundlicher Weise gebraucht wurde. Deshalb wurde man am 2. Februar 1939 beim Kappenabend der BNZ im Casino mit dem geänderten Namen „Friburger Gumper“ (von gumpen = hüpfen, springen) als neues Narrennest in die BNZ aufgenommen und Adolf Kaufmann zum Zunftvogt ernannt. Leider war das Glück nur kurze Zeit der neuen Narrenzunft hold; an Stelle von Frohsinn und Heiterkeit prägten Krieg und Leid die kommenden 8 Jahre.
Am 26. Mai 1948 fand im kleinen Freundeskreis die erste Zunftsitzung nach dem Kriege statt, in der man sich den noch heute gültigen Namen „Blaue Narre“ gab. Am 4. Februar 1949 fand dann in der Kolpingbaracke der 1. Bunte Abend der Zunft statt und in den folgenden Monaten erhielt das Häs sein heutiges Aussehen: anstelle der alten Kapuze trat eine Neue mit 2 flachen seitlichen Zipfeln und kleinen Rollen, der Holzklepper wurde durch einen Fuchsschwanz, das Wahrzeichen der Narren, ersetzt. Den Ledergürtel ersetzte man durch ein sog. Gschell, zwei sich im Rücken kreuzende, mit gegossenen Rollen besetzten Ledergurten, die vor Brust von einem Lederschild zusammengehalten werden, das mit dem aus Holz geschnitzten Wappen der Blaue Narre verziert ist.
Die neuen Holzmasken sind ganz in Silber gehalten und bilden einen schönen Kontrast zum unverändert gebliebenen hell- und dunkelblauen Narrenhäs, das nun durch graue Schuhe und Handschuhe ergänzt wird.
Aber noch war der anstoßerregende Name „Friburger Bobbele“ nicht vergessen und man schuf eine Figur, das „Bobbele“, das für die Blaue Narre die Fasnet symbolisiert und bis zum Fasnet - Dienstag immer eine bedeutende Rolle spielt.
Das Häs ist in der Art gleich, aber statt hell- und dunkelblauen Fleckchen wählte man die Stadtfarben Rot und Weiß, passend dazu wurde die Holzmaske naturbelassen gebeitzt.
Ergänzend zu unserem Bobbele wurden die Narre-Eltern, unser „Altes Paar“, aus der Taufe gehoben, das in Schwarzwälder Tracht, ebenfalls mit naturbelassenen Holzmasken versehen, am Schmutzigen Dunschdig der Zunft das Bobbele bringt.
Am 20. Februar 1950 erhielten die Blaue Narre die Ehre, gemeinsam mit dem Fasnetrufern und den Herdermer Lalli bei der in der „Eichhalde“ abgehaltenen Ratssuppe von dem unvergessen Oberzunftmeister Willy Jäger zu Erznarren der BNZ ernannt zu werden. Die Zunft war inzwischen auf 9 Hästräger und Narrensome angewachsen und gestaltete die Friburger Fasnet aktiv mit. So gründete man mit den Bächleputzern und den Haslacher Dicköpf eine Zunftgemeinschaft.
Diese Zunftgemeinschaft rief auch an der Fasnet 1959 mit Unterstützung der Stadthallen GmbH und dem Leserdienst der Badischen Zeitung den „Freiburger Kinderball“ ins Leben, der heute noch ein fester Bestandteil der Fasnet in Freiburg ist.
Aber auch in der Fremde zeigte die Narrenzunft ein Stück Freiburger Fasnet und knüpfte freundschaftliche Bande unter anderem zur Schwenninger Narrenzunft, zur Guggenmusik „Gladdi – Addore“ aus Basel und zu Freiburgs Partnerstadt Besançon, mit deren Gemeinde St. Ferjeux man 1975 die Freundschaft mit einer Verbrüderung besiegelte.
Viele weitere Aktivitäten rund um die Friburger Fasnet, so zum Beispiel seit 1979 die Teilnahme an der Straßenfasnet mit einem Stand mit frischgebackenem Fasnet-Gebäck und einer Wurfbude für die „kleinen Freiburger“ sind ein fester Bestandteil der Vereinslebens der Blaue Narre, und so ist es nicht verwunderlich, daß die Zunft inzwischen auf über dreißig Hästräger und eine ebenso zahlreiche Kinderschar, ihren Narresome, angewachsen ist und getreu ihrem Zunftspruch frohen Herzens den Winter durch das Schwabentor aus der Stadt treibt und Freude bereitet

